Marie Menke: Spielverderberin
Samstag, 14. Februar 2026

Toxische Freundschaft
Kennst du das: du willst etwas eigentlich nicht machen, aber die anderen sagen: „Sei doch keine Spielverderberin“ – und am Ende lässt du dich doch zu etwas hinreißen, das dir gar nicht gut tut?
Genauso eine Situation ist einer der Schlüsselmomente dieses Romans.
In Spielverderberin geht es um drei junge Frauen und ihre Freundschaft. Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen:
zum einen die Zeit vor und nach dem Abitur, die in den Kapiteln als „Vier Jahre zuvor“ gekennzeichnet ist. Zum anderen der Handlungsstrang „Als Romy ging“. Bei dieser Formulierung war ich mir lange nicht sicher, ob Romy einfach weggegangen oder vielleicht sogar gestorben ist – diese Ungewissheit zieht sich wie ein leiser Spannungsbogen durch den ganzen Roman.
Sophie
Aus ihrer Sicht wird erzählt. Sophie ist weder damals noch heute wirklich glücklich mit ihrem Leben. Sie studiert Lehramt, ohne genau zu wissen, warum. Sie hat einen Freund, steht ihm aber nicht besonders nahe. Lotte war früher ihre beste Freundin, doch die beiden haben sich komplett auseinandergelebt. Obwohl, so stimmt das nicht, sie wurden durch Romy getrennt.
Obwohl Sophie die Erzählerin ist, bin ich ihr nicht besonders nahegekommen. Sie ist mir nicht unsympathisch, wirkt aber oft etwas blass. Sie entwickelt kaum ein eigenes Profil und orientiert sich stark an anderen – vor allem an Romy, auf die sie regelrecht fixiert ist.
Romy
Romy wirkt zunächst sehr erwachsen und selbstsicher. Ich hatte das Gefühl, sie weiß genau, was sie will. Oder ist das nur eine Fassade? Denn manchmal erscheint sie plötzlich doch sehr hilflos. Solche Menschen kannte ich auch aus meiner Schulzeit: Sie brauchten ein bewunderndes Publikum, um sich selbst wertvoll zu fühlen.
Lotte
Lotte ist mir von den dreien am sympathischsten. Auch sie hat große Probleme und ist ebenfalls stark auf Romy fixiert – bis sie irgendwann zusammenbricht. Sie liebt ihre Heimat und bleibt nach der Schule noch länger dort, bevor sie schließlich ebenfalls ausbricht und nach Köln zieht.

Schauplätze
Das „Süthland“ ist ein fiktiver Landstrich, vermutlich irgendwo im Sauerland. Die drei leben dort in einer winzigen Kleinstadt, in der es Orte gibt, die direkt hinter dem Ortsschild schon ein Sackgassenschild haben. Für junge Menschen geht es hier kaum weiter.
Wer dort aufgewachsen ist, wie Lotte und Sophie, kennt das Leben in der Provinz. Doch Romy zieht erst während der Oberstufe aus einer Großstadt dorthin – für sie ein echter Kulturschock.
Studiert wird später in Köln. Hier habe ich viele Beschreibungen gut wiedererkannt. Romy studiert Jura, Sophie auf Lehramt – zwei sehr unterschiedliche Welten. Romy bewegt sich in ganz anderen Kreisen, während Sophie in Köln oft etwas provinziell wirkt, fast so, als gehöre sie eigentlich nicht hierher.
Freundschaft
Wie genau die Freundschaft zwischen den drei Frauen aussah und wer wann mit wem verbunden war, wird erst nach und nach deutlich. Am Anfang dachte ich: Die drei waren früher unzertrennlich und haben sich einfach auseinandergelebt. Aber was ist wirklich passiert?
Mir hat sehr gefallen, wie Marie Menke diese Beziehungen Stück für Stück freilegt. Immer wenn ich dachte, ich komme dem Kern nahe, wechselte der Roman wieder die Zeitebene. Dazu kommt, dass beide Erzählstränge nicht chronologisch verlaufen. Ich musste ziemlich konzentriert lesen und öfter mal zurückblättern.
Viele Situationen erinnerten mich an meine eigene Schulzeit: diese intensiven Freundschaften, bei denen man sich täglich sieht und alles teilt – und die manchmal von einem Tag auf den anderen enden. Ehrlich gesagt habe ich heute keine einzige Freundschaft mehr aus dieser Zeit. Dieses Jahr habe ich übrigens wieder Abi Treffen. 40 Jahre ist das inzwischen her …
Fazit
Spielverderberin von Marie Menke erzählt eindringlich und feinfühlig von der komplexen Beziehung dreier junger Frauen. Themen wie Freundschaft, gegenseitige Abhängigkeit und der Gegensatz zwischen Land und Stadt werden überzeugend miteinander verwoben.
Ein spannendes, sprachlich starkes Debüt, das lange nachwirkt.
