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Rezension: Hannah Heim – Hofsommer

Sonntag, 31. Mai 2026

Hofsommer - ein Roman

 

Als ich die Ankündigung zu Hofsommer von Hannah Heim gesehen habe, war das Buch bereits erschienen – und ich wusste sofort: Das muss ich lesen.

Das Thema assistierter Suizid beschäftigt mich schon länger. Gerade weil es in Deutschland noch vergleichsweise neu und gesellschaftlich wie rechtlich viel diskutiert ist, wollte ich unbedingt ein aktuelleres Buch dazu lesen. Mein vorheriger Berührungspunkt war ein Roman, der in der Schweiz spielte – diesmal also ein Blick auf Deutschland.

Hannah Heims eigene Erfahrungen

Hannah Heim verarbeitet in Hofsommer ihre eigenen Erfahrungen rund um den gemeinsamen Suizid ihrer Großeltern. Wie viel davon autobiografisch ist, kann ich nicht genau sagen, aber die Geschichte fühlt sich sehr echt und nahbar an.

Hofsommer - Hanna Heim

Im Mittelpunkt steht Doreen, die Enkelin. Sie wächst auf dem Pferdehof ihrer Großeltern Maria und Helmut im Osten Deutschlands auf – ein Ort voller Erinnerungen und emotionaler Bedeutung. Als ihre Großeltern beschließen, gemeinsam aus dem Leben zu gehen, bricht für Doreen eine Welt zusammen.

Maria, die Großmutter, ist schwer erschöpft vom Leben, körperlich und seelisch. Sie möchte ihrer Familie die Belastung der Pflege ersparen. Helmut entscheidet sich, sie auf diesem Weg zu begleiten. Für Doreen ist diese Entscheidung kaum zu begreifen. Sie kämpft dagegen an – mit Gesprächen, mit Nähe, sogar mit kleinen Gesten wie gemeinsamem Plätzchen backen mitten im Sommer.

Komplex und vielschichtig

Was dieses Buch besonders macht: Es zeigt, wie komplex und vielschichtig eine solche Entscheidung ist. Es geht nicht nur um die Menschen, die gehen wollen, sondern auch um die, die zurückbleiben. Doreen und ihre Mutter Sandra ringen mit Verständnis, Akzeptanz und Schmerz.

Jede Figur bekommt im Roman eine eigene Stimme – Doreen, ihr Mann Simon, Helmut, Sandra. Nur Maria bleibt ohne eigene Perspektive. Auch das ist eine interessante und berührende Entscheidung der Autorin.

Ohne zu spoilern: Das Buch nimmt eine unerwartete Wendung, die noch einmal deutlich macht, wie unberechenbar das Leben ist.

Ich halte Hofsommer für ein unglaublich wichtiges Buch. Es regt zum Nachdenken an, öffnet Perspektiven und zwingt einen fast dazu, sich mit einem Thema auseinanderzusetzen, das viele gern verdrängen: den Tod.

Ich selbst stehe dem assistierten Suizid grundsätzlich offen gegenüber – sehe aber auch die vielen schwierigen Fragen und Konflikte, die damit verbunden sind. Genau diese Ambivalenz bildet das Buch sehr gut ab.

Und manchmal passt das Leben zum Buch

Während ich noch mitten in der Geschichte war, wurde ich plötzlich auch im echten Leben mit einem ähnlichen Thema konfrontiert. In meiner Familie stellte ein Arzt die Frage nach der Patientenverfügung – ob eine Behandlung fortgesetzt werden soll. Obwohl wir solche Situationen schon kannten, war es emotional extrem belastend. In dem Moment wussten wir nicht, wie ernst die Lage wirklich war. Zum Glück stellte sich später heraus, dass es nicht um Leben und Tod ging. Trotzdem hat mich diese Erfahrung noch lange beschäftigt und erschöpft zurückgelassen.

Vielleicht ist es genau deshalb so wichtig, sich frühzeitig mit solchen Fragen auseinanderzusetzen – auch wenn es schwerfällt.

Hanna Heim - Roman

Neben dem ernsten Thema bringt der Roman übrigens auch ruhigere, warme Momente mit: das Leben auf dem Pferdehof, die Tiere, die Atmosphäre des Landlebens. Diese Elemente geben der Geschichte eine besondere Tiefe.

Hofsommer ist für mich ein Buch, das noch lange nachhallt. Ich hoffe sehr, dass es viele Leserinnen und Leser findet – denn es lohnt sich, sich mit diesen Themen zu beschäftigen.

Ein kleiner Wermutstropfen: Ich hatte gehofft, auch ein paar rechtliche Informationen zum assistierten Suizid zu bekommen. Diese bleiben im Roman außen vor.

Die werde ich mir nun wohl an anderer Stelle suchen müssen.

Andere Romane über das Thema:

Der Sommer im Garten meiner Mutter

This entry was posted in Allgemein, Bücher, Rezension and tagged in Familie, Landleben, Suizid.

Astrid

https://leckerekekse.de/wordpress

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